Weihnachten 2019

Jesus - die menschgewordene Liebe Gottes

"Gott ist als Menschenkind zu uns gekommen; der Erlöser wurde geboren im Stall zu Bethlehem, und dieses Kind verheißt uns Frieden, schenkt uns unermessliches Erbarmen. Hier zeigt sich wahrhaft die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters" (Tit 3,4). So sind wir von Gott angenommen aufgrund seines Erbarmens, nicht aufgrund der eigenen Leistung.

Den Hirten auf dem Felde war durch die Engelsschar vom Himmel die große Verheißung zuteil geworden. Diese einfachen und armen Menschen waren offen und bereit für je Größeres. Sie sagten nicht: " Das kann es nicht geben" oder: "Das glauben wir nicht". Sie machten sich vielmehr auf, um dem Kind in der Krippe zu begegnen. "Sie fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag." (Lk 2,16). Welche Freude, welches Staunen, welcher Jubel ihres Herzens! Reich beschenkt kehrten sie zu ihren Herden zurück. Nichts würde mehr so sein, wie es war. Sie waren dem Erlöser der Menschen begegnet, ihr eigenes Leben war mitten in dieser Nacht auf einmal hell geworden, ganz strahlend und voll Zuversicht.

Die Botschaft von Weihnachten ist auch nach 2000 Jahren nicht überholt. Mit Jesus Christus ist ein Wendepunkt in der menschlichen Geschichte eingetreten. Nicht die weltliche Macht, nicht die Suche nach irdischer Ehre und Karriere, nicht das grenzenlose Streben nach sinnlichem Genuss vermögen das Menschenherz zum ersehnten Glück zu führen. Allein die Lebe vermag dies, wie sie uns offenbar geworden ist im Kind von Bethlehem. In diesem Jesus ist Gott aus Liebe zu uns Mensch geworden.

Wie er uns geliebt hat bis zur Hingabe am Kreuz, so sollen auch wir einander lieben, besonders die Notleidenden, in denen uns der menschgewordene Gott begegnet. Der Glaube, der in der Liebe wirksam wird, ist wie ein Licht, das alle Dunkelheit vertreibt. "Weil Gott Mensch geworden ist, führen alle Wege zu Gott immer über den Menschen" (Arnold Janssen). Wie Papst Franziskus sagt, bedeutet Weihnachten feiern "..wie Jesus zu handeln, der für uns notleidende Menschen gekommen ist, und hinabzusteigen zu jenen, die uns brauchen". An anderer Stelle lesen wir: "Es wird Weihnachten sein, wenn wir in der armseligen Grotte von Bethlehem das Licht finden. Es wird nicht Weihnachten sein, wenn wir den Glitzerschein der Welt suchen, wenn wir uns mit Geschenken und Festmählern füllen, aber nicht wenigstens einem Armen helfen, der Gott ähnlich ist, weil Gott zu Weihnachten arm zu uns gekommen ist." Noch zwei weitere Aussagen von Franziskus haben mich auch sehr berührt: "Weihnachten ist der Sieg der Demut über die Anmaßung, der Einfachheit über die Fülle, der Stille über den Lärm" und "Wenn wir das wahre Weihnachten feiern wollen, lasst uns dieses Zeichen betrachten: die zerbrechliche Einfachheit eines kleinen Neugeborenen; die Sanftheit, mit der er daliegt; die zarte Liebe, welche die Windeln ausdrücken, die ihn umhüllen. Dort ist Gott."

Karl Rahner schreibt über Weihnachten: "Wenn wir sagen: Es ist Weihnacht, dann sagen wir: Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort im Mensch gewordenen Wort in die Welt hineingesagt, ein Wort, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, weil es Gottes endgültige Tat ist, weil es Gott selbst in der Welt ist - und dieses Wort heißt: Ich liebe dich, du Welt und du Mensch."

Alles hat sich durch die Geburt des Kindes schon gewandelt. Alle Zeit ist schon umfasst von der Ewigkeit, die selber Zeit wurde. Alle Tränen sind im Innersten schon versiegt, weil Gott selbst sie mitgeweint hat und schon aus seinen eigenen Augen wischte. Alle Hoffnung ist eigentlich schon Besitz, weil Gott schon von der Welt besessen ist. Die Nacht der Welt ist schon hell geworden.

Wenn nicht bloß Kerzenschimmer, Kinderfreude und Tannenduft, sondern das Herz selbst das Jawort zum kindlichen Liebeswort Gottes spricht, dann geschieht wirklich Weihnacht, nicht nur in Stimmung, sondern in der lautersten Wahrheit. Denn dieses Wort des Herzens ist dann getragen von Gottes heiliger Gnade. Gottes menschgewordenes Wort wird dann auch in unseren Herzen geboren, wie die alten Meister sagten: "Gott selbst zieht dann in unsere Herzen ein, so wie er in Bethlehem in die Welt einzog".

Gott, der aus Liebe zu uns Mensch geworden ist, schenke uns die Gnade, dass wir menschlicher, d.h. liebevoller werden !


Frohe und gesegnete Weihnachten !
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